19.3.03 Victoria Falls (Wasserfall) - Hwange
Auf der Rückfahrt kommen wir am Hwange-Nationalpark, dem Größten in Simbabwe, vorbei.
Der Umweg ist nicht allzu groß und so verlassen wir die Hauptstraße in Richtung Sinamatella Camp. Nach ca. 20 km Sandpiste, auf der wir schon Impalas und Vögel zu sehen bekommen, erreichen wir den eigentlichen Parkeingang.
Hier sind wir die einzigen Besucher und auch sonst macht das Camp einen verlassenen Eindruck. Im Empfangsgebäude hängen einige vergilbte Tierfotofotos an der Wand. Gebühr für den Park 15 US-$ pro Person. Angesichts des äußeren Eindrucks erscheint uns das Preis-Leistungs-Verhältnis sehr fragwürdig.
Eher zum Gehen entschlossen, frühstücken wir auf der Terrasse des Camp-Restaurants. Es bietet sich uns ein fantastischer Ausblick über die Savanne und das Buschland. Nebenan befindet sich ein Laden für Souvenirs. Die Inhaberin erklärt uns, dass man normalerweise von hier aus das Wild sehen kann.
Durch die Regenfälle der letzten Tage hätten sich aber viele kleinere Wasserlöcher im Busch gebildet, zu denen sich die Tiere zurückgezogen haben. Noch immer skeptisch beschließen wir das Geld zu investieren und durch den Park zu fahren.
Für wenige Zim-$ erwerben wir die DIN-A-3 Kopie einer Straßenkarte des Parks, die ist in den 15 Euro Eintritt nicht enthalten. Das Wegenetz besteht aus drei asphaltierten Straßen, die sternförmig das Sinamatella-, das Main-Camp und Robins Camp verbinden. Davon abzweigend gibt es noch etliche Sandpisten. Wir brechen in Richtung Main Camp auf, Entfernung 120 km, Abfahrt 11.00 Uhr, Temperatur 30°C - Tendenz steigend.
Wieder einmal haben den Fehler gemacht, in der Mittagshitze durch einen Naturpark zu fahren um Tiere zu beobachten. In den ersten Stunden bekommen wir nur einige Vögel zu sehen. Auf der schmalen Straße sind wir fast allein, nur einmal kommt ein anderes Fahrzeug vorbei. Gegen Nachmittag wir es lebhafter. Zebras und Giraffen und ein Paar Kronenkraniche tauchen auf.
Dann der erste Elefant. Er ist vielleicht 100 m entfernt und entfernt sich von uns. Egal - Teleobjektiv und klick-klick-klick, wer weiß ob wir noch einen zu sehen bekommen.

Einige Kilometer weiter kommen wir an eine Pan (Pfanne), eine Weite Ebene mit nur wenig Buschbestand. Am Waldrand stehen Zebras und Giraffen beieinander. Im Sand sind Reifenspuren zu sehen, die von der Straße weg in diese Richtung führen.
Wir versuchen unser Glück und rollen langsam durch die Pfanne auf die Tiere zu. Der besseren Übersicht wegen sitze ich (unerlaubterweise) auf dem Türfenster und spähe in die Runde. Wir folgen weiter den Reifenspuren, die in einiger Entfernung an den Tieren vorbei durch die Sträucher führen. Als wir um einen größeren Busch biegen werden wir plötzlich von der Seite antrompetet.
Etwa 20 m neben dem Weg steht ein Elefant an seinem Wasserloch und schaut uns unfreundlich an. Die Ohren abgestellt und den Rüssel wild schwenkend trompetet er noch einmal in unsere Richtung. Ich rutsche blitzschnell ins Auto, kurbele das Fenster hoch und sage nur noch "fahre! fahre!".
Der schmale Sandweg windet sich zwischen Dornenbüschen immer weiter ins Ungewisse. Maximal 30 km/h sind drin, können Elefanten nicht bis zu 50 km/h schnell rennen? Wir können nur 20 m in beide Richtungen einsehen, dann kommt eine Biegung. Mit bangem Blick schaue ich ständig wieder nach hinten, immer einen wild um die Ecke trampelnden Elefanten vor meinem geistigen Auge. Wenn jetzt vor uns noch ein Elefant auftaucht würde dann könnten wir weder vor noch zurück. Wo führt dieser Weg überhaupt hin?
Ich hatte gehofft, dass er in einem Linksbogen wieder zur Straße verläuft. Aber es geht eher etwas nach rechts und da kommen wir doch nach Botswana oder was? Es sind aber immer noch Reifenspuren zu sehen und die müssen von heute sein, denn in der Nacht hat es geregnet. Mit jeder Kurve schwindet die Hoffnung, dass wir auf diese Weise wieder auf die Straße kommen. um uns herum ist mannshohes Gebüsch, keine Ahnung was 100m weiter vorne ist. Also gehen wir die Sache logisch an: vor uns ist das ungewisse, ein Pfad, der was weiß ich wohin führt.
Hinter uns ist das gewisse, ein etwas erschrockener Elefant, der sich vielleicht schon wieder beruhigt hat. Wir sind einmal vorbeigekommen also wird es beim zweiten Mal auch klappen. Sollte er uns bösartigerweise den Weg versperren, müssen wir eben warten bis er Platz macht. Allemal besser als mitten im Busch das Auto festzusetzen. Endlich finden wir auch eine geeignete Wendestelle.
Langsam geht es wieder zurück. Wie weit wir in unserer Panik gefahren sind, lässt sich schwer sagen, aber 5 km werden es schon gewesen sein. Irgendwann kommt unser Freund in Sicht. Er steht wieder an seinem Wasserloch und lässt uns friedlich passieren. Da müssen jetzt noch zwei riesengroße Steine liegen, die uns in diesem Moment vom Herzen gefallen sind.
An der nächsten Wasserstelle machen wir halt und besteigen den Beobachtungspodest. Zwei Elefanten planschen im Wasser, im Hintergrund warten Giraffen darauf, dass sie an die Tränke können. Das wird ja immer besser. Wieder werden die Fotoapparate gezückt und Aufnahmen gemacht. Langsam wird es Abend und längst wissen wir, dass sich die Ausgabe für den Hwange-Nationalpark vollauf gelohnt hat.
Etwa 10 km vor dem Main Camp kommen wir an einer weiteren Wasserstelle vorbei. Mehrere Fahrzeuge parken schon hier und der vielleicht 50 Leute fassende Beobachtungspodest ist mit etwa 20 Personen gut besucht. Der Anblick übertrifft alles Bisherige. Während über 20 Elefanten in einem der Wasserlöcher ausgelassen baden kommt eine weitere, ebenso große Herde aus dem Wald um nebenan ihr Bad zu nehmen. Auch hier warten Giraffen und Zebras in respektvoller Entfernung bis sie ans Wasser können, das dann allerdings nur noch eine Schlammbrühe ist.
Videokameras und Fotoapparate klicken und surren um die Wette. Während wir uns darüber unterhalten wie toll das hier ist, sagt ein älterer Herr neben mir: "Es gibt doch keinen Ort auf der Welt an dem man keine Sachsen trifft." Er ist aus Saalfeld, jetzt schon drei Monate im Land und im übrigen der Meinung dass man in Simbabwe sehr preiswert leben kann. In der einen Woche, die er sich im Hwange-NP aufhält, gab es so viele Elefanten an einem Fleck jedoch noch nicht zu sehen.
Wir haben also besonderes Glück, und das alles nachdem wir zuerst so misstrauisch waren. Kurz bevor wir ins Camp kommen gibt es noch einmal einen Grund anzuhalten. Im Schein der untergehenden Sonne sitzt ein Löwe 50 m neben der Straße. Als die letzten Sonnenstrahlen verschwinden, lässt er sich ins Gras fallen - Dienst beendet.

Im Main Camp erkundigen wir uns als erstes nach einer Unterkunft. Das Empfangsgebäude macht einen etwas besseren Eindruck als jenes im Sinamatella Camp.
Es gibt 3 Kategorien an Unterkünften: Budget, Chalet und Lodge oder so ähnlich. Instinktiv buchen wir das billigste. Was? 1000 Zim-$ pro Nacht -und die nächstbessere Kategorie 1250 Zim-$, macht nach Adam Ries mal Schwarzmarkt nur einen Euro. Das wäre ja ein Ding, da nehmen wir doch die bessere Kategorie. Eine Bungalowhälfte mit Bad und abends gibt es sogar warmes Wasser. Irgendwo haben wir gelesen, dass die Tickets für den Park eine Woche gelten und man nur damit verschiedene Leistungen, wie die preisgünstige Übernachtung in Anspruch nehmen kann.
Da könnte man doch einen Tag länger bleiben. Um eine zusätzliche Tour durch den Park zu unternehmen, ist es erforderlich Benzin aufzutreiben. Hier stehen doch überall Autos und hin und wieder fahren sie auch herum. Also muss es doch irgendwo Treibstoff geben. Unser neuer Bekannter aus Saalfeld, mit dem wir zu Abend essen kennt einen der einen kennt von dem wir Benzin kaufen können.
Auch einen Angestellten der Parkverwaltung fragen wir ob er uns weiterhelfen kann. Am Ende kommt dann ein Treffen mit einem verkaufswilligen Einheimischen zustande. Ich fahre mit ihm zu seinem Haus, im Dorf unmittelbar neben dem Camp. Im Vorgarten stehen zwei offensichtlich fahruntüchtige Autos.
In strömenden Regen machen wir uns an das Umfüllen. Zuerst wird aus einem PKW mit einem Schlauch Benzin abgesaugt. Der nächste Tank ist bereits ausgebaut und braucht nur ausgeschüttet zu werden. Zu guter Letzt wird an einem Fahrzeug durch Öffnen einer Schraube unter dem Fahrzeug Benzin abgelassen.
Auf diese Weise kommen 15 Liter zusammen. Wieder wechselt ein Geldscheinbündel seinen Besitzer. Mein Benzinverkäufer zeigt in den Regen und meint, dass das gut aber leider viel zu selten ist.