31.01.03 Maputo - Zavala
Wie ausgemacht treten wir am Morgen zu viert die Reise nach Norden an. Vorbei geht es an Manica und Xai-Xai nach Quissico/Zavala. Auf den Landkarten heißt der Ort Quissico, bei den Einheimischen Zavala.
Er ist Hauptort des gleichnamigen Distriktes. Als Erstes nehmen wir den Brandschaden in Augenschein. Eine der drei Rundhütten ist komplett niedergebrannt, nur ein paar verkohlte Pfosten schauen noch aus dem Boden. Immerhin konnte Antonios Frau den untergebrachten Hausrat in Sicherheit bringen.
Wir glauben, dass es nun sofort an das Aufräumen und Wiederaufbauen geht aber weit gefehlt. Zunächst muss sich Antonio vom Ortsvorsteher ein Dokument holen, dass die Wichtigkeit des Ereignisses bestätigt. Es ist bereits Mittag und er hat nicht viel Hoffnung ihn anzutreffen. Oft geht er eine Runde durch das Dorf und an beinahe jeder Unterkunft in Afrika gibt es einen Wein oder Schnaps. Er ist also entweder unterwegs oder nicht mehr in der Lage ein amtliches Schreiben aufzusetzen.
Trotzdem macht er sich auf den Weg. Die Kinder der Familie spielen mit Kokosnüssen die hier massenhaft vorhanden sind. Ich ernte selbst einige dieser Früchte um sie zu verzehren. Nach Art der Einheimischen wird mit einer Machete das eine Ende so bearbeitet, dass es sich wie ein Deckel abnehmen lässt. Kaum haben die Kinder mein Tun bemerkt, stehen sie in einer Reihe an um ihre Kokosnüsse ebenfalls öffnen zu lassen.
Vom Nachbargrundstück bringen Frauen regelmäßig 10 Liter Glasballons auf dem Kopf vorbeigetragen, die Olivenschnaps enthalten. Damit hat es folgende Bewandtnis: Vor einigen Monaten ist Antonios Vater verstorben. Der Tradition gemäß währt die Trauerzeit ein halbes Jahr. Das Ende wird mit einem großen Familienfest gefeiert.
In wenigen Wochen ist es soweit. Die Getränke dazu werden selbst hergestellt. Zum Zeitpunkt unseres Besuches waren bereits über 100 Liter Olivenschnaps fertig. Die Destille lief aber immer noch auf Hochtouren. Gegen Abend kommt Antonio zurück. Sein Formular hat er nicht bekommen. Am nächsten Tag will er es noch einmal versuchen. Nach Einbruch der Dunkelheit sitzen wir im Schein der Petroleumlampe beisammen.
Da dröhnt aus dem Dunkel des Waldes Trommelklang und Gesang zu uns herüber. Schon vor zwei Jahren hatten wir an gleicher Stelle so ein Erlebnis. Jetzt wollen wir die Gelegenheit nutzen uns das Ganze aus der Nähe anzuschauen. Wieder fragen wir Antonio:
"Was ist das?"
"Das ist Kirche."
"Können wir uns das mal ansehen?"
"Ja, können wir."
In stockfinsterer Nacht ziehen wir durch den Busch. Auf meine Frage, ob wirkeine Lampe brauchen antwortet Antonio: "Ich bin eure Lampe". Er marschiert vorneweg. Weil er ein sehr helles Hemd trägt, ersetzt er uns tatsächlich die Lampe um auf dem Pfad zu bleiben. Es ist gar nicht sehr weit. Nach nur etwa einem Kilometer haben wir unser Ziel erreicht. Vor einer Rundhütte steht eine Petroleumlampe. Darum herum ein Kreis von vielleicht 20 Personen.
Im Kreis tanzen einige Leute um die Lampe herum. Dazu Trommeln, Singen und Klatschen. Ein junger Mann mit einem Umhang, auf dessen Rückseite ein Kreuz prangt, gibt den Ton an. Vorsichtig treten wir näher. Als man uns bemerkt werden sofort aus einer Hütte Plastikstühle herangetragen. Wir sollen uns doch bitte setzen. Die Vorstellung geht noch eine ganze Weile. Zum Schluss werden wir vorgestellt und der Grund unseres Besuches mitgeteilt. Durch die Finsternis geht es wieder zurück.
Als wir zu ebener Erde in die Schlafsäcke kriechen wollen, werden wir von Antonio zurückgehalten. Wir sollen nicht im Freien sondern in der Hütte übernachten. Erstaunt fragen wir nach dem Grund:
Na, wegen der wilden die vielleicht in der Nacht kommen könnten.
Welche wilden Tiere?
Schlangen!
Wir müssen lachen, denn als wir ihn einmal fragten ob es in dieser Gegend gefährliche Tiere gibt, sind ihm nach einiger Bedenkzeit nur Schlangen eingefallen. Nicht dass er schon einmal eine gesehen hätte, aber der Vater hat davon erzählt.

1.02.03 Zavala - Maputo
Am späten Morgen brechen wieder Richtung Maputo auf. Als Wegzehrung gibt es einen Topf mit Hühnchen. Für den Abend verabreden wir uns zum Abschiedsessen im Restaurant Costa do sol.
Um es zu erreichen fährt man die Küstenstraße von Stadtzentrum einige Kilometer Richtung Norden. Aber kurz nachdem wir aus der eigentlichen Stadt raus sind geht gar nichts mehr. Auto an Auto in beiden Richtungen. Auto an Auto am Straßenrand.
Darinnen und dazwischen Menschen über Menschen. Aus jedem Gefährt dröhnt eine andere Mucke. Junge Männer tanzen ausgelassen herum. Flaschen mit hochprozentigem Inhalt kreisen umher. Eine halbe Stunde dauert es, bis wir die Strecke zurückgelegt haben für die man sonst fünf Minuten braucht.
Da wir in das Restaurant wollen, bekommen wir einen Parkplatz vor dem Lokal zugewiesen. Von der Terrasse aus können wir den ganz normalen sonntäglichen Wahnsinn in Ruhe beobachten. Meine letzte Tagesaufgabe besteht darin, gegen Mitternacht unsere Gäste in den Randbezirken von Maputo abzusetzen. Wieder einmal Autofahren - in Afrika - nachts - soll man als Tourist nicht machen. Aber mit etwas Gelassenheit geht das schon.
