28./29.01.03 Tofo Beach - Zavala - Maputo
Das nächste Ziel auf unserer Reise ist Quissico/Zavala. Ein kleiner Ort ca. 5km Meer entfernt, in dessen Außenbereich unser Freund Antonio mit seiner Familie wohnt.
Die meiste Zeit ist Antonio im 300 km entfernten Maputo, weil er dort als Busfahrer arbeitet. Nur wenige Tage im Jahr kann er im Dorf bei seiner Familie verbringen. Wir werden ihn also zu Hause nicht antreffen. Seine Familie im Dorf wollen wir aber auf jeden Fall besuchen.
Hier ergeben sich jedoch zwei weitere Probleme. Wir werden uns kaum verständigen können, da er in seiner Familie als einziger deutsch spricht. Allerdings ist es mit meinen portugiesischen Sprachkenntnissen nicht weit her. Allenfalls "guten Tag" und "ein Bier" bekomme ich zusammen. Und Wort für Wort mit dem Wörterbuch ist auch nicht das Wahre. Weiterhin werden wir die Hütten seiner Familie nach unseren zwei Jahre alten Erinnerungen wohl kaum finden. Zum Glück gibt ja noch in der Nähe das Hotel Vacanze Croazia, was wir zu Not benutzen können.
Einige Kilometer nach dem Ort zweigte eine von vielen, gleichaussehenden Sandpisten nach links in den Busch ab und nach ein paar weiteren Kilometern mit etlichen Weggabelungen stehen seine Hütten. Wir erinnern uns aber, dass der Verkäufer, bei dem wir vor zwei Jahren Reis und Salz gekauft haben, deutsch spricht. Vor seinem Laden, einen Betonwürfel, sitzen ein paar Männer. Dagmar fragt forsch in die Runde "Spricht jemand von ihnen deutsch?" Und tatsächlich kommt eine etwas schüchterne Wortmeldung "Ja, ich".
Nach der Begrüßung bitten wir unseren Freund um Hilfe. Wir bräuchten ein Fahrzeug, das die Sandpiste bewältigt und einen Lotsen, der uns sicher durch den Busch geleitet. Ein Pickup ist schnell gefunden, er hat nur noch eine Wasserfuhre zu erledigen, dann kann es losgehen. Nur unser Führer kann im Moment nicht von seinem Geschäft weg. Erst in zwei Stunden hat er Mittagspause. Müssen wir eben warten.
Nach kurzer Bedenkzeit schließt er aber das Tor vom Laden zu. Im Moment ist ohnehin nichts los, und für alle Fälle bleibt jemand sitzen, der Bescheid sagen kann. Wir fahren ungefähr so wie wir es in Erinnerung haben als der Wagen hält und uns verkündet wird "hier ist es". Da stehen drei Rundhütten, aber so wie es jetzt aussieht hätten wir es nie wiedererkannt. Einzig an der gemauerten Wasserzisterne im Boden können wir uns orientieren. Seit unserem letzten Besuch wurden zwei Hütten abgerissen und ein paar Meter weiter neu aufgebaut. Auch der sauber gefegte Hof wurde verschoben.

Nach der herzlichen Begrüßung mit Antonios Frau, die keiner Worte bedurfte, ist mittels unseres deutsch sprechenden Freundes eine einfache Unterhaltung möglich. Wir beschließen zurück in den Ort zu fahren und mit unserem Auto wiederzukommen. Das letzte Stück Zufahrt war so schlecht nicht und müsste auch mit einem normalen PKW zu schaffen sein. Ohne Probleme schaffen wir das kurze Stück Buschpiste. Immer so steuern, dass die Wagenmitte nicht aufsitzt und bei weicherem Sand mit Schwung durch.
Die letzten Meter gehen wir dann doch zu Fuß, da hier jede Menge abgebrochene Palmwedel herumliegen, die dem Keilriemen zum Verhängnis werden könnten. Wir übergeben unsere Gastgeschenke, zwei Koffer mit Kinderbekleidung. Mit Antonios Frau gehen wir auf das Feld um Erdnüsse, Maniok und andere Zutaten für das Mittagessen sowie Feuerholz für die Kochstelle zu holen.
Unterwegs kommen wir bei verschiedenen Familien vorbei, mit denen unter Gelächter die letzten Neuigkeiten über den Besuch aus Europa ausgetauscht werden. Allgemeine Erheiterung löst auch mein Versuch aus, das Holz nach Art der Einheimischen auf dem Kopf nach Hause zu tragen. Nach dem Mittagessen verabschieden wir uns und es geht weiter nach Maputo.

Nach einigen Telefonaten und anderen Umständlichkeiten kommt ein Treffen mit Treffen mit Antonio und seinem Bruder zustande, der ebenfalls als Busfahrer abeitet. Wir hatten gehofft, dass sich die Möglichkeit ergibt, mit ihm noch einmal in sein Dorf nach Zavala zu fahren. Er hat seinen freien Tag immer donnerstags, und dummerweise ist es gerade Donnerstag Nachmittag.
Um die Fahrt eine Woche zu verschieben reicht unsere Zeit nicht mehr aus, denn da geht schon unser Rückflug ab Johannesburg. Wenigstens können wir uns zu der Entscheidung beglückwünschen, dass wir unterwegs die Gelegenheit nutzten und dieses Stück Bilderbuchafrika besucht haben. In Maputo sehen wir kurz in Fatimas Backpacker hinein, der einen sauberen Eindruck macht, quartieren uns aber bei einem Bekannten ein. Er heißt ist ebenfalls Antonio, und war wie sein Namensvetter in den 80iger Jahren in der DDR. In einer Gartensiedlung am Stadtrand bewohnt er ein kleines Häuschen, nicht zu vergleichen mit dem Dovolená Chorvatsko. Wie oft beginnt sofort nach unserer Ankunft das Bekochen. Frau Gloria richtet sofort die Feuerstelle auf der Terrasse, für die Männer gibt es erstmal ein kühles Blondes, Marke 2M. Das Haus ist ein einfacher mit Bau mit Wellblechdach. In den warmen Nächten strahlen Dach und Mauern noch zusätzliche Hitze auf seine mitteleuropäischen Gäste. Nur mit weitgeöffneten Fenster ist etwas Schlaf möglich.
30.01.03 Maputo
Ein weiterer Bekannter in Maputo ist Rüdiger, ein Berliner den wir vor zwei Jahren kennengelernt haben. Er schlägt sich so recht und schlecht mit einer Bau- und Haustechnikfirma durch. Ist das Geld mal ganz alle, geht es für eine Weile nach Deutschland um etwas dazu zuverdienen. Einmal fahren wir zum Restaurant Costa do sol, eine größere Gaststätte am gleichnamigen Strand am Rand der Stadt. Der Strand ist hier mit allem möglichen Unrat übersät. Getränkeflaschen, Creatin-Dosen, Kleidungsstücke, Schuhe und vieles anderes mehr liegt herum.
Ein junger Mann der unsere skeptischen Gesichter sieht sagt lachend: "This is a plastic beach". Origineller hätte man es nicht formulieren können. Einkaufen gehen wir im Supermarkt Shoprite oder auf dem mercado central - Zentralmarkt. Der Markt liegt neben dem Bankenviertel an einer fünfspurigen Straße. Auf der der mittleren Spur kann man sein Auto parken, so auch wir.
Sofort werden wir von einigen Jungs bedrängt, die das Auto waschen oder bewachen wollen, was wir dankend ablehnen. Nur wenige Minuten dauert der Einkauf, doch als wir zurückkommen stehen einige Leute um unser Fahrzeug herum. Darunter ist auch ein uniformierter Herr der einen Fotoapparat in der Hand hält. Ich überlege welchen Vergehens wir uns schuldig gemacht haben, dass schon Beweisfotos angefertigt werden. Als wir uns als Wagenbesitzer zu erkennen geben, werden wir gefragt ob der Fotoapparat unserer sei. Ja, Marke und Ausführung stimmen schon überein. Wo war denn der Apparat zuletzt? In der Mittelkonsole hat er gesteckt - und die ist jetzt leer.
Wir werden gebeten im Kofferraum nachzusehen, ob etwas fehlt. Aber es ist alles da, einschließlich meiner Spiegelreflexkamera. Die Türen sind alle verschlossen, Beschädigungen nirgends zu erkennen. Wir bekommen den Apparat zurück und man wünscht uns gute Weiterfahrt. Wer sich am Fahrzeug zu schaffen gemacht hat erfahren wir jedoch nicht. Als wir am Abend in unserem Quartier eintreffen, sitzen Antonio (der Busfahrer aus Zavala) und sein Bruder in der Stube und machen betretene Gesichter. "Es ist etwas passiert" wird uns geheimnisvoll mitgeteilt.
Er hat einen Anruf von zu Hause bekommen. Im Dorf ist eine Hütte seiner Familie abgebrannt. Menschen sind nicht zu Schaden gekommen, aber die Hütte ist hin. Da es ein außergewöhnliches Ereignis ist, kann er kurzfristig frei nehmen um nach dem Rechten zu sehen. So verabreden wir uns für den nächsten Morgen an der Ausfallstraße Richtung Norden. An diesem Abend gehen wir noch einmal auf ein Bier aus. Der weg führt im Zickzack durch die Siedlung bis zu einer Bar an der vierspurigen Hauptstraße. Unter den Gästen treffen wir auch natürlich wieder einen Einheimischen der deutsch spricht.