Kaum haben wir die ersten Kilometer mosambikanischer Landschaft genossen, stehen Uniformierte Beamte auf der Straße. Wir rollen langsam heran und werden freundlich durchgewunken.
Im ersten größeren Ort eine Tankstelle. Es ist nicht die modernste Anlage aber endlich können wir wieder ganz normal tanken. Wir haben zwar noch kein Geld umgetauscht, aber von unserer Reise 2001 sind noch ein paar Meticais übrig, die uns hier zu gute kommen. Die Zapfpistole passt zwar nicht zum Einfüllstutzen aber das kennen wir bereits und wissen wie man Abhilfe schafft.
Nördlich der Hauptstraße Richtung Beira liegt der Gorongoza Nationalpark. Ehemals einer der tierreichsten Parks, wurde in den Jahren des Bürgerkrieges der Bestand arg dezimiert, zumal sich die Renamo das Gebiet als Hauptquartier ausgesucht hatte. Wir machen einen Abstecher von 60 km zum Park. Über die ersten 40 km verläuft eine nagelneue Fernstraße, dann geht es nach rechts in den Busch hinein. Die Zufahrt verläuft über die letzten 20 km auf einem mittelprächtigen Waldweg.
Stellenweise geht es auf ebenem Sandboden dahin, dann wieder müssen breite, ausgespülte Quer- und Längsrinnen umfahren werden um nicht aufzusitzen. Wir kommen auch ohne Schäden im Camp an. Eigentlich sind wir weniger wegen der Tiere des Parkes hierhergefahren, sondern weil ich die Hoffnung hatte andere Touristen zwecks Erfahrungsaustausch zu treffen. Aber wir sind wohl die einzigen Gäste. Es gibt einige neuere Gebäude sowie ältere, verlassene mit Einschusslöchern übersäte Bauten.
Natürlich ist man interessiert, das wir im Park bleiben. Die Preise für Übernachtung und Safari sind durchaus vertretbar. Da wir aber in Simbabwe schon soviel zu sehen bekommen haben, lehnen wir dankend ab. Wieder geht es 20 km über Stock Stein zurück zur Hauptstraße und dann Richtung Beira, unserem Ziel für diesen Tag.
Es wird langsam Abend und somit ist es kurz nach 19.00 Uhr bereits stockfinstere Nacht, es ist so Finster, dass man sich glatt auf Matratzen legen könnte und sofort schlafen kann. Der Straßenbelag wechselt zwischen neu asphaltiert und nicht vorhanden. Immer wieder tauchen Fußgänger aus der Dunkelheit auf oder wir begegnen Fahrzeugen, die nur mit Standlicht oder noch weniger unterwegs sind. Wird ein anderes Fahrzeug bemerkt, betätigt der Fahrer kurzzeitig Hauptscheinwerfer oder Warnblinkanlage um sogleich wieder in die Dunkelheit einzutauchen.
Der Sicherheit wegen versuchen wir uns, soweit möglich, hinter einem LKW zu halten. Die Rückleuchten bieten eine gute Orientierungshilfe und sollte doch einmal etwas Größeres im Weg sein, betrifft es uns nicht direkt. Bei den unasphaltierten Teilstücken, die sich über mehrere Kilometer hinziehen sind wir aber komplett in eine Staubwolke eingehüllt, so dass wir trotz der immer noch drückenden Hitze alle Fenster schließen. Sobald wieder frei Sicht ist werden sie heruntergekurbelt und uns begleitet ein lautstarkes Froschkonzert, welches auf Sumpfgelände hinweist. Irgendwann gegen 22.00 Uhr tauchen die ersten Vororte von Beira auf. Inzwischen sind wir aber alle so geschafft von der Fahrt und der Wärme, dass wir uns nur noch in eins der Zelte oder auf Matratzen legen wollen.
Noch außerhalb der Stadt starten wir an einem Campingplatz den ersten Versuch eine Übernachtung zu bekommen. Die Anlage ist groß und macht einen sauberen Eindruck. Da uns die angebotenen Lodges aber zu teuer sind, fahren wir weiter in Richtung Zentrum. Ein Hotel aus unseren Reiseunterlagen haben wir in die engere Auswahl gezogen.
Es ist aber nicht so leicht zu finden und wir fahren in den Seitengassen des Stadtzentrums etwas orientierungslos umher. Plötzlich gestikuliert eine Gruppe junger Männer wild vom Straßenrand in unsere Richtung. Ich will anhalten um zu fragen was los ist, soll aber weiterfahren weil Dagmar der Meinung ist, dass sie betrunken wären. Ich bin der Meinung, dass sie, weil muslimisch gekleidet, gar nicht betrunken sein können und halte an.
Man macht uns darauf aufmerksam, dass wir eben verkehrt herum in eine Einbahnstrasse gefahren sind. Weil wir schon mal da sind fragen wir auch gleich nach dem Weg zum Hotel. Oh, das können sie uns keinesfalls empfehlen, wir sollen doch in das "Savoy" gehen. Ist gleich um die Ecke, sauber, preiswert und es gibt dort sehr gute Matratzen, was das auch immer hier heißen mag. Wir müssen nur in die angezeigte Richtung fahren.
Mein Einwand, dass wir da auch verkehrt durch eine Einbahnstrasse fahren, wird mit "ist alles halb so wild" abgeschmettert. Irgendwann gegen 23.00 Uhr können wir das Zimmer beziehen. Wir haben die einfachere Kategorie, mit Dusche und WC übern Flur gewählt - für uns völlig ausreichend. Wir beschließen den Tag bei Bier und Limo in einem Lokal mit dem Charme einer Bahnhofswartehalle, direkt neben dem Hotel, zu beenden. Nach dem dann jeder noch etwas getrunken hatte, gingen wir aufs Zimmer und haben uns auf die Matratzen gehauen. Die jungen Männer vom Straßenrand hatten übrigens recht behalten, die Matratzen sind wirklich gut und am nächsten Morgen hätte ich es fast verschlafen.